Hmmmm, jetzt ’nen Kaffee!

Aber lieber aus dem Mehrwegbecher

(Vier Minuten Lesezeit)

coffeetogo
Coffee to go – der Mix aus Pappe und Plastik macht Recycling schwierig.

Es sind ja oft die Kleinigkeiten, die das Leben so angenehm machen oder es wenigstens erleichtern. Zum Beispiel zwischen zwei Terminen schnell mal eben mit einem Espresso »runterkommen« – doch halt: irgendetwas stimmt doch hier nicht!?

 

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130 »Coffee to go« trinken deutsche Verbraucher im Schnitt jedes Jahr. Das klingt gar nicht so viel. Aber nehmen wir die Zahlen genauer unter die Lupe: 130 Becher mal 80 Millionen Menschen, das sind schlappe 2,8 Milliarden (!) pro Jahr – allein in Deutschland. In jeder Stunde gehen 320 000 Becher über die Ladentheken von Tankstellen, Filialbäckern und Fastfoodketten. Eine solche Becherjahresproduktion aufeinander gestapelt würde annähernd bis zum Mond reichen!

Was das an Ressourcenbedarf für die Herstellung bedeutet, hat der World Wildlife Fund WWF ausgerechnet: Allein 43 000 Bäume werden gefällt, um die 64 000 Tonnen Holz für die Papierherstellung zu liefern (Recyclepapier eignet sich leider wenig). Damit uns der heiße Kaffee nicht gleich durch die Finger rinnt, muss außerdem eine Kunststoffbeschichtung her. Die macht zwar nur fünf Prozent des gesamten Materials aus, hat es aber ansonsten in sich: 22 000 Tonnen Rohöl und 1,5 Milliarden Liter Wasser werden mit der Energie von 320 Millionen Kilowattstunden verarbeitet, damit die Pappbecher dicht halten. Das sorgt ganz nebenbei noch für einen Beitrag von 110 000 Tonnen CO2 zur Klimaerwärmung.

Einwegbecher sind nicht von Pappe …

Käme der Becher nach Gebrauch in die Gelbe Wertstofftonne, könnten wenigstens die (puren) Plastikdeckel einem Recycling zugeführt werden. Der Papier-Kunststoff-Verbund des Bechers haucht dagegen sein kurzes Leben regelmäßig in der Müllverbrennung aus – im Idealfall. Denn leider wandern die meisten mangels öffentlicher Wertstofftonnen in einfachen Abfalleimern ohne Trennung oder – noch schlimmer – wild in der Landschaft. Die Folge: Der kaum vergängliche Kunststoff löst sich nicht in Luft auf, sondern gerät als Mikroplastik in den Wasserkreislauf und damit irgendwann wieder in den Kaffee. Wird es von Tieren gefressen, gehen die entweder daran zugrunde oder geben es als Teil der Nahrungskette an ihren Verzehrer weiter. Guten Appetit!

Mehrweg schafft Abhilfe – Entschleunigung erst recht

Thermobecher
Wiederverwendbare Thermobecher gibt es in unzähligen Varianten – taste without waste.

Dabei könnte es so einfach sein: Schaffen Sie sich einen Mehrwegbecher an, den Sie bei Ihrem Lieblingskaffeekocher auffüllen lassen. Die Überlegung kann auch nicht schaden, ob es denn gerade wirklich der Kaffee im gehen sein muss. Wären nicht zehn Minuten Chillout im Sitzen und Verwöhnaroma aus der Porzellantasse viel schöner? Wahrscheinlich sind Sie in dem entspannten Zustand anschließend viel effizienter in der Erledigung Ihrer Aufgabe und holen die »verlorene« Zeit locker wieder rein.

 

P.S.: Mehrwertsteuer ist keine Mehrwegsteuer und das angebliche Hygiene-Argument

Wenn der Filial-Barista Ihren mitgebrachten Mehrwegbecher »aus hygienischen Gründen« nicht befüllen will, lassen Sie sich nichts erzählen: Die Lebensmittelhygieneverordnung verbietet die Wiederbefüllung NICHT! Es müssen nur die gleichen Sauberkeitsregeln eingehalten werden wie beim Befüllen der Müllbecher. Was viele Gastronomen verunsichert, ist eine uneinheitliche Handhabung der Lebensmittelüberwachungsbehörden. TIPP: Interessierte Ausschenker können unter  www. becherheld.de ein Merkblatt beziehen, das die Deutsche Umwelthilfe (DUH) herausgegeben hat.

Auch der Fiskus ist nicht unschuldig am Einwegboom: »To go« ist für den Händler attraktiv, da er hier nur sieben Prozent Mehrwertsteuer abführen muss. Trinken Sie Ihren Latte Macchiato im Laden aus Porzellantasssen, zieht ihm das Finanzamt hingegen 19 Prozent ab. Bei für den Verbraucher identischem Verkaufspreis lohnt sich für den Barista also »Mitnehmen« deutlich mehr als »Hiertrinken« (das betrifft auch andere beliebte Imbiss-Gerichte, zum Beispiel die Currywurst …). Wobei das auch schon eine vereinfachte Darstellung ist, denn der Fiskus hat noch mehr Verwirrung auf Lager: Die reduzierte Mehrwertsteuer betrifft nur »Milchmischgetränke« mit mindestens 75 Prozent Milchanteil – und zwar Kuhmilch. Die sich immer stärker verbreitenden Laktose-Alternativen wie Soja-, Hafer-, Dinkel- oder Reisdrinks werden wieder voll besteuert – wie der gute alte schwarze Brühkaffee oder der Espresso. Alles klar?

 

 

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